Was du heute kannst besorgen, verschiebe auch mal auf morgen!

Von Katrin Kremer

Prokrastinieren. Ich glaube, bevor ich anfing zu studieren, kannte ich dieses Wort nicht einmal. Inzwischen ist es fester Bestandteil meines Studentenlebens. Und Gespräche mit Freundinnen und Freunden beweisen, damit bin ich nicht allein. Statt für eine Klausur zu lernen oder an meiner Seminararbeit zu arbeiten, klicke ich mich manchmal endlos durch das Internet: Spiegel Online, Tumblr, Pinterest oder das neueste Buzzfeed-Quiz – irgendwas finde ich immer, um bloß nicht zu arbeiten. Die Zeit verstreicht und ich habe immer noch nichts getan, aber – und das ist das Blöde! – ich habe mich in dieser Zeit auch nicht erholt oder neue Motivation gesammelt. Stattdessen habe ich noch weniger Lust auf meine Aufgaben und fühle ich mich schlecht, weil ich meine Zeit vergeudet habe. 

Was könnte ich anders machen? Mir selbst einen Tritt in den Hintern verpassen. Oder, eine richtige Pause einlegen!

Denn das habe ich inzwischen gelernt: Manchmal prokrastiniere ich, weil ich eine Pause brauche; und zwar eine richtige. In dieser Pause tue ich absichtlich nichts für mein Studium, aber ohne schlechtes Gewissen. In so einer Pause mache ich einen Spaziergang, backe einen Kuchen oder gucke auch mal den ganzen Tag eine Serie (Gilmore Girls geht immer!). Manchmal braucht mein Kopf eben etwas anderes. Da ich mich aber aktiv dazu entschieden habe, eine Stunde oder zwei oder einen ganzen Tag Pause zu machen, habe ich kein schlechtes Gewissen, sondern ich erhole mich richtig. Außerdem ist diese Art des aktiven Pause Machens eine tatsächliche Unterbrechung des eintönigen und alltäglichen am Schreibtisch Sitzens. Ich beschäftige mich mit etwas komplett anderem und kann nebenbei meinen Gedanken nachhängen. Und so passiert es nicht selten, dass ich beim Waldspaziergang oder beim Zusammenrühren meines Kuchenteiges auf einmal einen zündenden Gedanken habe. Plötzlich verstehe ich das Problem, mit dem ich mich seit Tagen rumschlage oder finde den perfekten Einleitungssatz für meine Seminararbeit (Sowas sollte man sich übrigens unbedingt notieren. Aber das ist eine andere Geschichte.) Auch das unterschätze ich oft: Selbst oder gerade, wenn ich etwas komplett anderes tue, im Hintergrund arbeitet mein Kopf doch weiter. Aber das ist kein Muss. Eine Pause ist schließlich zum Erholen da. Also ist es auch okay, den ganzen Tag unproduktiv auf dem Sofa zu liegen, ins Kino zu gehen oder die Zeit im Schwimmbad zu verbringen. Hauptsache ich mache etwas, worauf ich wirklich Lust habe. Am nächsten Tag gehe ich meine anstehenden Aufgaben mit frischem Kopf und neuer Motivation an – bis zur nächsten Pause!

Prokrastination kann verschiedene Ursachen haben und im Ernstfall einen hohen Leidensdruck erzeugen. Die Situation, wie ich sie hier beschreibe, ist kein Fall von dauerhafter, krankhafter Prokrastination, sondern eher zeitweise Lustlosigkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.